Nachdem Uwe Madel, Botschafter des WEISSEN RINGS und rbb-Moderator, die Gäste begrüßt hat, würdigte die Schirmherrin der Veranstaltung, Kornelia Wehlan, Landrätin des Landkreises Teltow-Fläming, die Arbeit des WEISSEN RINGS allgemein und beispielhaft die Arbeit der Außenstelle in ihrem Landkreis: „Der langjährige Leiter Walter Meyer und sein Nachfolger Robert Schulz sind gemeinsam mit ihren Mitarbeitern kleine Sozialarbeiter oder Therapeuten für die Betroffenen.“
Uwe Madel im Gespräch mit Außenstellenleiter TF, Robert Schulz.
Barbara Richstein überraschte die Gäste mit der Frage, was US-Popstar Taylor Swift und Berliner Rentner gemeinsam haben. Sie gab einen kleinen Tipp, die Antwort hängt mit dem Thema des Abends zusammen. Beide wurden im vergangenen Jahr Opfer von digitaler Gewalt: Swift durch gefälschte Nacktbilder und die Senioren durch Online-Betrug. Anschließend begrüßte die Landesvorsitzende des WEISSEN RINGS Brandenburg ganz herzlich Kornelia Wehlan, Oliver Stepien, Polizeipräsident des Landes Brandenburg, Kai Kasüschke vom Landespräventionsrat, Jürgen Lüth, ehemaliger Landesvorsitzender des WEISSEN RINGS sowie die Referentinnen, Netzwerkpartner und weitere Gäste.
Digitale Gewalt umfasst ein breites Spektrum krimineller Handlungen im Internet. „Smartphone und Computer gehören heute fest zu unserem Leben. Viele Bereiche des Alltags hat die Digitalisierung verändert und beschleunigt, und sie wird mit großen technischen Schritten weitergehen. Künstliche Intelligenz ist hier nur ein Stichwort“, sagte Richstein. Die vielen positiven Aspekte des Internets hätten auch ihre Schattenseiten. „Alles, was uns im echten Leben bewegt, schlägt ebenso hohe Wellen im Netz. Seien es das aktuelle Weltgeschehen, Kriege, die aufgeheizte Stimmung und die zunehmende Verrohung der Gesellschaft. Das Internet wird zu einem Nährboden für Betrug, Gewalt, Hass und Hetze“, so die Landesvorsitzende.
Richstein war es eine Ehre, Ingrid Voigt anlässlich ihres 30-jährigen Jubiläums im WEISSEN RING mit einer Urkunde und einer Anstecknadel zu würden und ihr als Dank für ihre ehrenamtliche Arbeit in verschiedenen Außenstellen einen Blumenstrauß zu überreichen.
Lothar Pohle, stellv. Landesvorsitzender, Jürgen Lüth, ehemaliger Landesvorsitzender und Barbara Richstein, Landesvorsitzende dankten Ingrid Voigt für 30 Jahre ehrenamtliches Engagement (v.l.n.r.)
Robert Schulz, der seit zwei Jahren die Außenstelle Teltow-Fläming leitet, begrüßte ebenfalls alle Gäste und dankte seinen Mitarbeitern für ihre engagierte Arbeit. Gleichzeitig warb er für neue Mitarbeiter, da es in Teltow-Fläming viele Betroffene von Gewalt und Kriminalität gibt.
So hat sich auch Hanna Hecht an ihn gewendet und um Hilfe gebeten, weil sie in den Sozialen Medien gemobbt wurde. Die 17-Jährige Schülerin des Kopernikus-Gymnasiums Blankenfelde-Mahlow ist in ihrer Schule in der Schülervertretung und im Kreisschülerrat engagiert und wie alle in diesem Alter in den Sozialen Medien unterwegs. Als sie eines Tages auf Instagram Lügen über sich liest, ist sie fassungslos und wendet sich hilfesuchend an ihre Schulleitung. Von dort erfährt sie keine Hilfe, daher ruft sie den WEISSEN RING an und trifft sich mit Schulz. In der Schule wurde das Thema Cybermobbing noch nicht thematisiert; dies ist ihr nun aber gerade sehr wichtig. Deshalb hat sie über ihre Erfahrungen in der Schulkonferenz gesprochen und möchte, dass sich auch Lehrer damit befassen. Eine Anzeige gegen die beleidigende Person hat sie nicht gestellt, hat sie aber direkt und persönlich auf die Lügengeschichten angesprochen. Hecht hat versucht, sich in die Täterrolle hineinzuversetzen und wollte der Täterin mit einer Strafanzeige nicht die Zukunft verbauen. Sie sagte: „Ich bin dankbar, dass ich gut aus der Situation rausgekommen bin.“ Damit andere Schüler weder Täter noch Opfer werden, lud sie den WEISSEN RING und die Polizei zu einer Info-Veranstaltung ein, in der Schulz und Polizeihauptkommissar Axel Tritt die Gymnasiasten über die Gefahren von Cybermobbing aufklärten.
Dr. Sophie Reimers, Referentin Jugendmedienschutz, Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.V., bietet eine Eltern-Medien-Beratung für Einrichtungen an, „die nicht früh genug beginnen kann“, wie sie betonte. Digitale Kommunikation müssen die Kinder lernen – im Elternhaus, im Kindergarten und in den Schulen. Reimers berichtete: „Eltern machen sich oft Sorgen, dass ihre Kinder Opfer von Mobbing werden könnten, aber selten, dass sie die Täter sein könnten.“ Um dies zu verhindern, ist Prävention sehr wichtig. Sie umschrieb Prävention mit den Worten „Verkehrserziehung im digitalen Raum“ und forderte von Institutionen, Schutzkonzepte zu diesem Thema zu erarbeiten.
Polizeihauptkommissarin Claudia Sponholz, Opferschutzbeauftrage der Polizeiinspektion West Teltow-Fläming, freute sich über die Einladung, denn sie hat seit 2006 eine enge Bindung zum WEISSEN RING.
Sponholz wird häufig von Schulsozialarbeitern eingeladen, um Vorträge vor den Eltern über digitale Gewalt zu halten. Oft sind die Erziehungsberechtigten ratlos, wie sie mit ihren Kindern über die Nutzung von sozialen Medien sprechen können und suchen Rat bei ihr. Die Auseinandersetzung mit den Kindern ist ihr besonders wichtig. Daher ist die Opferschutzbeauftragte gern gesehener Gast in den Unterrichtsstunden. Im Gespräch mit den Kindern klärt sie die Mädchen und Jungen über die Gefahren im Netz, z. B. bei Spielpartnern, auf. Sie unterstreicht, dass es wichtig sei, dass Eltern, Erzieher und Lehrer mit den Kindern über alles reden und dadurch eine Vertrauensbasis hergestellt wird, damit sie sich in Notsituationen vertrauensvoll an sie wenden.
Polizeihauptkommissarin Claudia Sponholz ist als Präventionsbeauftragte in Schulen eine gefragte Gesprächspartnerin.
Die Landesvorsitzende dankte der Landrätin als Gastgeberin, den Rednerinnen für ihre Beiträge und Uwe Madel für die Moderation sowie Robert Schulz und seinem Team für die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung ganz herzlich.
Robert Schulz überreichte Kornelia Wehlan als Schirmherrin einen Blumenstrauß, den diese umgehend als Dank an die Ehrenamtlichen der Außenstelle Teltow-Fläming weiterreichte.
Einen Blumenstrauß als Dankeschön übergab Robert Schulz der Schirmherrin der Veranstaltung, Kornelia Wehlan. Fotos: WEISSER RING
Seit 1991 macht der WEISSE RING mit dem „Tag der Kriminalitätsopfer“ alljährlich am 22. März auf Menschen aufmerksam, die durch Kriminalität und Gewalt geschädigt wurden. Er soll das Bewusstsein für Opferbelange in Deutschland stärken und Informationen zu Prävention, Schutz und praktischen Hilfen geben. Inzwischen ist der Aktionstag fester Bestandteil im Kalender von Institutionen aus den Bereichen Politik, Justiz und Verwaltung, aber auch Vereinen und Schulen geworden.
Der WEISSE RING wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von fast 3.000 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelferinnen und -helfern in bundesweit 400 Außenstellen, beim Opfer-Telefon und in der Onlineberatung. Der WEISSE RING hat mehr als 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein finanziert seine Tätigkeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen. Der WEISSE RING erhält keine staatlichen Mittel.